Aachen/Düsseldorf / Im Gasmarkt sieht die Trianel European Energy Trading GmbH (TEET) einen Markt, der mit die größten Chancen für das Geschäftswachstum des Unternehmens in den nächsten Jahren bieten wird, stellten Sven Becker und Reinhard Goethe, Geschäftsführer der TEET, auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens dar. Deshalb verstärkt die TEET seit dem letzten Jahr ihre Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette im Gasmarkt deutlich, wobei die Unterstützung von Stadtwerken durch den Ausbau der Beschaffung und des Handels an den zunehmend liquiden Großhandelspunkten, das Portfolio- und Risikomanagement und die Ausrichtung der IT-Systeme auf die gewachsenen Anforderungen im liberalisierten Gasmarkt im Fokus stehen.
Wesentliche Voraussetzungen für den Ausbau des Gasgeschäftes sind einmal die zu erwartenden Verbesserungen der Durchleitungsbedingungen durch die Ablösung des bisher einzelfallbezogenen und entfernungsabhängigen Transportpfadmodells durch ein Entry-Exit System. Zum zweiten erwartet Trianel aufgrund der Untersagungsverfügung langfristiger Lieferverträge durch das Bundeskartellamt, deren Sofortvollzug kürzlich durch das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigt wurde, noch im Laufe dieses Jahres eine zunehmende Wettbewerbsintensität bei der Belieferung von kommunalen Versorgungsunternehmen. Die inzwischen erreichte hohe Marktdurchdringung der Trianel im kommunalen Bereich und die breite Gesellschafterbasis eröffnen schließlich weitergehende Potenziale.
Um die Wachstumsziele auch erreichen zu können, wurden neue Ressourcen geschaffen. So wurde das Team der Gasexperten bei der TEET im letzten Geschäftsjahr verdreifacht. Weitere Einstellungen sind auch 2006 geplant. Außerdem wurde die zunächst für das klassische Portfoliomanagement entwickelte Internetplattform PM-Gas.NET weiterentwickelt und mit neuen Funktionalitäten ausgestattet. Gemeinsam mit GasOpt bietet das Unternehmen Stadtwerken markterprobte Instrumente an, die einen optimalen Einstieg in den strukturierten Beschaffungsprozess ermöglichen.
Einstieg in den upstream-Bereich schafft Flexibilitäten
Ein weiterer wichtiger Schritt für die TEET und die beteiligten dreizehn kommunalen Unternehmen ist die Flexibilisierung der Gasbeschaffung und –vermarktung durch den Einsatz eines eigenen Erdgasspeichers. Eine Maßnahme, von der gleichzeitig wichtige Wettbewerbsimpulse im Erdgasmarkt erwartet werden. Die Vorbereitungen zum Bau des Kavernenspeichers laufen derzeit auf Hochtouren. Ebenso wie der Bau des GuD-Kraftwerks hat die Anlage aufgrund ihrer Gesellschafter- und Projektstruktur Pilotcharakter in der deutschen Energiewirtschaft. Bis heute befinden sich rund 70 Prozent der Speicherleistungen in Deutschland in der Hand der fünf großen Ferngasgesellschaften. Mit dem ersten kommunalen Erdgasspeicher können Stadtwerke künftig die Vorteile trotz ihrer geringen Gasumsätze und hohen spezifischen Investitions- und Betriebskosten von Speichern nutzen. Der Vorteil liegt vor allem in der Abdeckung von Bedarfsspitzen der Kunden, die zu einer Reduzierung der Erdgasbezugskosten führt. Darüber hinaus können saisonale Preisschwankungen, die an den europäischen Gashandelsplätzen bestehen, zur weiteren Kostenoptimierung genutzt werden.
Der Untergrundspeicher besteht aus drei Kavernen, ist auf die Erdgasqualität H-Gas ausgerichtet und soll am Standort Epe (Gronau, Kreis Borken in Westfalen) ab Herbst 2006 errichtet und zum Gaswirtschaftsjahr 2008/09 in Betrieb genommen werden. Nach erfolgreichem Abschluss des Basic Engineerings und Einholen der notwendigen Genehmigungen werden derzeit Gesellschaftsgründung sowie die eigentliche Bauphase vorbereitet. Die Ausspeicherleistung der Anlage umfasst in Summe 300.000 m³/h und die gesamte Einspeicherleistung beläuft sich auf 150.000 m³/h. Der Speicher wird an die Ferngasnetze von E.ON Ruhrgas und RWE angebunden werden.
Eingeschlagenen Weg beim Netzzugang beibehalten
Mit Ablauf der gesetzlich vorgesehenen Frist am 31. Januar 2006 hat die Bundesnetzagentur nach intensiven Konsultationsgesprächen mit allen betroffenen Verbänden ein Kompromissmodell für den Gasnetzzugang in Deutschland vorgelegt, welches die Forderungen des EnWG konkretisiert und die Inhalte der Gasnetzzugangsverordnung entsprechend interpretiert. Die Etablierung des Entry-Exit-Systems begrüßt Trianel als einen wichtigen Schritt zur Öffnung des Gasmarktes. Für Stadtwerke wird es jetzt darauf ankommen, bei der Umsetzung des Netzzugangsmodells die vertraglichen Regelungen so rechtzeitig in ihre Abwicklungsprozesse einzufügen, dass sie pünktlich zum neuen Gaswirtschaftsjahr einen diskriminierungsfreien Netzzugang gewähren und den Lieferantenwechsel marktgebietsüberschreitend abwickeln können. Auf der IT-Seite ist die Automatisierung der entsprechenden Geschäftsprozesse, teilweise Internet-basiert, vorzubereiten. Gemeinsam mit der STAWAG Stadtwerke Aachen AG, die die erforderlichen Umsetzungsschritte absolviert hat und ab 1. Oktober 2006 allen Transportkunden in Aachen einen marktgerechten Zugang zum Gasnetz gewährleisten kann, baut Trianel derzeit umfangreiches Know-how zur Unterstützung von Stadtwerken auf.
Neue Wege zur Neupositionierung der Stadtwerke außerhalb der etablierten Lieferketten und Vertragsstrukturen
Im Hinblick auf die Veränderungen in der bisherigen Lieferkette analysiert die TEET im Auftrag einer Gruppe von Stadtwerken langfristige Gasbeschaffungsalternativen. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll aufgezeigt werden, welche wirtschaftlichen Potenziale durch veränderte Beschaffungskonzepte und Lieferbeziehungen erzielbar sind und welche Schritte zur Hebung dieser Potenziale notwendig sind. Im Blickpunkt stehen dabei grundsätzlich alle Wertschöpfungsstufen, die der heutigen langfristigen City-Gate-Beschaffung vorgelagert sind. Die Ergebnisse werden im Sommer 2006 erwartet.

