Machnig: „Land macht Ernst mit der Energiewende“ / Potentialkataster zeigt weitere interessante Standorte in Thüringen
Das Stadtwerke-Netzwerk Trianel GmbH mit Sitz in Aachen plant in Kooperation mit der Thüringer Fernwasserversorgung die Errichtung eines Wasserspeicherkraftwerks an der Talsperre Schmalwasser im Kreis Gotha. Entsprechende Planungen stellte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig heute gemeinsam mit Trianel-Projektleiter Dr. Markus Hakes, dem Geschäftsführer der Thüringer Fernwasserversorgung Ralf Rauch sowie den Bürgermeistern von Tambach-Dietharz, Gräfenhain und Ohrdruf, Harald Wrona, Ingrid Möller und Marion Hopf, vor.
„Die Landesregierung macht Ernst mit der Energiewende in Thüringen“, sagte Machnig. Wasserspeicherkraftwerke seien dafür ein wichtiges Element.
Derzeit stellten diese auch als Pumpspeicherkraftwerke (PSW) bezeichneten Stromspeicher die effizienteste Art der Bereitstellung kurzfristig verfügbarer Regelenergie dar. Mit dem Großprojekt im Kreis Gotha sei eine der größten Einzelinvestitionen in Thüringen seit der Wende verbunden. „Dabei werden alle Umweltbelange in vollem Umfang berücksichtigt“, versicherte der Minister. „Von dieser Investition profitiert nicht nur der Klimaschutz, sondern auch Thüringens Wirtschaft und Kommunen in erheblichem Maße.“
Die derzeitigen Planungen sehen die Errichtung eines Wasserspeicherkraftwerks am Standort der Schmalwassertalsperre vor. Nach ersten Untersuchungen kann bei Nutzung der bestehenden Talsperre als Unterbecken und der Errichtung eines über fünf Millionen Kubikmeter fassenden Oberbeckens ein Kraftwerk mit einer Leistung von mindestens 400 Megawatt entstehen – ausreichend, um mehr als eine halbe Million Haushalte sechs Stunden lang mit Strom zu versorgen. Beide Becken sollen mit einem unterirdischen Stollensystem verbunden werden, in dem Pumpwerk und Turbinen untergebracht sind. Die Höhendifferenz zwischen Unter- und Oberbecken beträgt je nach Oberbeckenstandort zwischen 200 und 300 Metern. Die Investitionen zum Bau dieses Kraftwerks werden mit mehr als 500 Millionen Euro veranschlagt.
„Trianel hat den Standort im Landkreis Gotha als einen der besten Speicherstandorte Deutschlands identifiziert“, sagte Projektleiter Markus Hakes. Dabei habe sein Unternehmen neben geologisch-technischen Voraussetzungen insbesondere die Frage untersucht, an welchen Standorten möglichst geringe Auswirkungen für Bürger und Umwelt zu erwarten sind. In den kommenden Wochen und Monaten sollen nun alle notwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren in Angriff genommen werden. „Es ist uns aber wichtig, möglichst früh nicht nur die Behörden und die Träger öffentlicher Belange, sondern insbesondere auch die Bürger über das Projekt zu informieren“, so Hakes. Im Jahr 2019 könnte das Speicherkraftwerk Schmalwasser ans Netz gehen. Die Talsperre liegt in den Gemarkungsgrenzen von Tambach-Dietharz und Gräfenhain.
In den Ratssitzungen in Tambach-Dietharz und Gräfenhain war das Investitionsvorhaben an der Schmalwasser-Talsperre am gestrigen Abend den Kommunalpolitikern vorgestellt worden und auf positive Resonanz gestoßen. „Der Umbau der Energieversorgung beginnt vor Ort“, sagte die Bürgermeisterin von Gräfenhain, Ingrid Möller. Die Pläne von Trianel seien auch angesichts der zu erwartenden Steuereinnahmen in der Region willkommen. Der Bürgermeister von Tambach-Dietharz, Harald Wrona, wies darauf hin, dass die Schmalwassertalsperre seit Jahren weitgehend ohne Funktion sei: „Angesichts der Tatsache, dass hier Anfang der 90er Jahre rund 1,5 Milliarden DM verbaut worden sind, ist es sehr zu begrüßen, dass die Talsperre nunmehr einer neuen Nutzung zugeführt werden soll.“ Der Rat der Stadt Ohrdruf, in deren Gebiet einer von drei möglichen Oberbeckenstandorten liegt, wird sich am 3. November mit der Großinvestition befassen.
Grundsätzliche Unterstützung für das Projekt signalisierte auch der Landrat des Landkreises Gotha, Konrad Gießmann. Zwar stünden die Planungen noch ganz am Anfang. Außerdem sei eine breite Beteiligung der Bürger und aller zuständigen Behörden erforderlich. „Seitens des Landkreises werden wir das Thema jedenfalls positiv begleiten“, so Gießmann.
Mit dem Projekt werde die Talsperre langfristig als Wasserspeicher für Thüringen gesichert, erläutert Ralf Rauch, Geschäftsführer der Thüringer Fernwasserversorgung als Eigentümerin der Schmalwassertalsperre. „Die Kooperation mit Trianel bietet uns die Möglichkeit, uns neue Geschäftsfelder zu erschließen“, so Rauch. Dies könne letztlich auch zu einer langfristigen Sicherung des Fernwasserpreises in Thüringen beitragen.
Zur Entscheidungsfindung beigetragen hat auch das vom Wirtschaftsministerium beauftragte Potentialkataster für PSW-Standorte in Thüringen. „Es gibt noch eine Reihe weiterer, hochinteressanter Standorte für Wasserspeicherkraftwerke in Thüringen“, sagte Wirtschaftsminister Machnig. Das Potentialkataster soll in wenigen Wochen öffentlich vorgestellt werden.

