Aachen/Düsseldorf / Im Geschäftsjahr 2005 hat die Trianel European Energy Trading GmbH (TEET) ihre Marktposition durch die Umsetzung unterschiedlichster, zukunftsgerichteter Maßnahmen weiter ausgebaut. So wurden im zurückliegenden Jahr die Voraussetzungen geschaffen, dass im 1. Halbjahr 2006 vier weitere leistungsfähige Unternehmen den Gesellschafterkreis der TEET verstärken, berichteten Sven Becker und Reinhard Goethe, Geschäftsführer der TEET, auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens. Durch die Beteiligung u.a. der Stadtwerke Lünen GmbH, der Energie- und Wasserversorgung Rheine GmbH und der Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation (A) erhöhte sich die Zahl der direkten und indirekten Gesellschafter der TEET auf 29. Damit konnte die Gesellschafterbasis in Europa über die Niederlande hinaus auch nach Österreich weiter ausgebaut werden. Dies zeigt, dass international ein hohes Interesse am Aufbau eines Stadtwerke-Netzwerkes besteht und sich aus der engen Zusammenarbeit mit der Trianel entlang der Wertschöpfungskette Vorteile realisieren lassen. Die Salzburg AG ist der regionale Energie- und Infrastruktur-Dienstleister für das gesamte Bundesland mit der Landeshauptstadt Salzburg und hat einen jährlichen Stromabsatz von 9,5 TWh sowie Gasabsatz von 3,9 TWh. Weitere Gesellschafter werden sich in Kürze an der TEET beteiligen.
Eigene Kraftwerke für mehr Flexibilität bei der Energiebeschaffung
Um Alternativen bei der Strombeschaffung zu eröffnen und die Flexibilität von Stadtwerken im Einkauf zu erhöhen, hat TEET im vergangenen Jahr gemeinsam mit weiteren 27 Stadtwerken und Regionalversorgungsunternehmen mit dem Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes (GuD) begonnen. Die konkrete Bauphase startete im September letzten Jahres am Standort Hamm-Uentrop; derzeit verlaufen alle Arbeiten exakt nach Terminplan. Am 13. Juni fand das Richtfest für das erste Maschinenhaus statt, woran im Anschluss bereits die Probebelastung des neuen Maschinenhauskranes mit einem Prüfgewicht von mehr als 400 t erfolgreich durchgeführt wurde. Am Dattel-Hamm-Kanal - unmittelbar an der Frielinghauser Strasse - wurde die Abladestelle für die anstehenden Schwertransporte fertig gestellt, da im Sommer wesentliche Anlagenkomponenten per Schiff angeliefert werden, wie z. B. die 196 t schwere Dampfturbine, der Generator mit 351 t und die Gasturbine mit 306 t. Ebenfalls am Datteln-Hamm-Kanal wurde planmäßig mit dem Bau des Entnahmebauwerks für das Kühlwasser des Kraftwerks begonnen. Auf dem Kraftwerksgelände wurden die Rohbauarbeiten für das Lager- und Werkstattgebäude termingerecht abgeschlossen und auch im Wartengebäude – der Schaltzentrale der ganzen Anlage – schreiten die Arbeiten planmäßig voran. Die Inbetriebnahme der rund 450 Millionen Euro teuren Anlage wird für September 2007 erwartet. Neben einem Beitrag für mehr Wettbewerb und Versorgungssicherheit auf dem Strommarkt sorgt der Kraftwerksbau auch für wichtige wirtschaftliche Impulse in der Region.
Die kaufmännische Betriebsführung für das GuD-Kraftwerk wird bei der TEET liegen. Damit übernimmt die TEET ab 2007 die Rolle des zentralen „Dispatchers“. In dieser Funktion wird sie die „Kraftwerksscheiben“ der 28 Gesellschafter koordinieren, Zusatzgeschäfte zur wirtschaftlichen Optimierung in der Stromerzeugung tätigen und das Reporting aller Details übernehmen. Zur Umsetzung dieser Aufgaben wurde in Zusammenarbeit mit den Aachener Systemhäusern ProCom und Soptim in 2005 mit der Entwicklung eines EDV-basierten Kraftwerkseinsatzsteuerungssystems begonnen. Die Neuentwicklung dieses innovativen IT-Systems, das die komplexen energiewirtschaftlichen Geschäftsprozesse von Erzeugungseinheiten managen wird, soll Anfang 2007 in den Probebetrieb gehen, um zum Probebetrieb der GuD-Anlage im Sommer 2007 einsatzbereit zu sein.
Zur Sicherung des langfristigen wirtschaftlichen Betriebs der Anlage appelliert die TEET gemeinsam mit den Kraftwerkseigentümern in der Diskussion um die Zuteilung von CO2-Zertifikaten für die Handelsperiode 2008 bis 2012 im Rahmen des Nationalen Allokationsplans II intensiv für die Gleichbehandlung von Kohle- und Gaskraftwerken. Nur dann kann sich die positive umwelt- und wettbewerbspolitische Lenkungswirkung des Einsatzes von Erdgas in der Stromerzeugung angemessen entfalten.
Weiterer Kraftwerksbau in der Planung
Infolge des großen Interesses von Seiten der Gesellschafter, aber auch weiterer kommunaler Versorgungsunternehmen, wurde die TEET in 2005 mit der Durchführung einer Machbarkeitsstudie für die Realisierung eines zweiten Kraftwerksprojekts beauftragt. Die Planungen zum Bau eines Kraftwerks auf Steinkohlebasis mit einer elektrischen Leistung von 820 Megawatt am Standort Lünen schreiten sehr zügig voran. Die Inbetriebnahme ist für spätestens 2012 anvisiert. Am 22. Juni 2006 hat unter Leitung der Bezirksregierung Arnsberg, der zuständigen Genehmigungsbehörde, ein Scoping-Termin stattgefunden. Dazu wurden alle am Genehmigungsverfahren nach Bundes-Imissionsschutzgesetz beteiligten Fachbehörden, Sachverständige und Umweltverbände eingeladen und das Verfahren offiziell eingeleitet. Ziel des Scoping-Termins ist die Festlegung des Untersuchungsumfangs im Rahmen des Genehmigungsverfahrens. Aus Sicht von Trianel wurde der Scoping-Termin in einer sehr konstruktiven Atmosphäre mit allen Beteiligten durchgeführt. Die aktuellen Arbeiten liegen voll im Zeitplan, so dass Anfang 2007 der Genehmigungsantrag eingereicht werden kann. In Kürze wird die Trianel gemeinsam mit den bisher am Projekt beteiligten Stadtwerken eine Projektgesellschaft zu Entwicklung und Bau des Kraftwerkes gründen.
Neue Dienstleistungen für mehr Wettbewerb
Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbsdruckes in den Energiemärkten und der hohen Volatiliät der Energiepreise gewinnen die Optimierung und Risikosteuerung bei der Erzeugung, Beschaffung und Vermarktung immer mehr an Bedeutung. Es ist zu erwarten, dass sich der Trend der volatilen Energiepreise und der engen Korrelation der Rohstoff-, CO2- und Strommärkte weiter fortsetzen und noch intensivieren wird. Trianel hat dieser Entwicklung im Jahr 2005 mit dem Ausbau des Portfoliomanagements in allen drei Bereichen gezielt Rechnung getragen. Entsprechend konnten Mengen und Kundenzahl für die kommenden Jahre deutlich gesteigert werden. Ergänzt wurden die energienahen Dienstleistungen durch Aktivitäten im Risikomanagement, wie die Erstellung von Handbüchern oder die Unterstützung beim Aufbau eines flexiblen Berichtswesens. Darüber hinaus hat die TEET im abgelaufenen Geschäftsjahr neue Analysedienstleistungen, zum Beispiel die Erstellung täglicher Handelsinformationen, entwickelt, die im laufenden Geschäftsjahr durch einen wöchentlichen Stromreport und einen monatlichen Gasreport ergänzt werden.
Preisentlastende Wirkung kann nach Einschätzung von TEET von zusätzlichen Wettbewerbsimpulsen ausgehen. Eine wesentliche Voraussetzung ist jedoch, den eingeschlagenen Weg der Liberalisierung der Energiemärkte konsequent fortzusetzen und weitere Verbesserungen in der Transparenz und dem Wettbewerb auf Erzeugungs- und Handelsebene zu schaffen. Für diese Impulse wird sich die TEET einsetzen und ihre eigenen Aktivitäten im laufenden Geschäftsjahr systematisch weiterentwickeln.

