Aachen/Düsseldorf. Das Aachener Stadtwerke-Netzwerk Trianel GmbH fordert von der Bundesregierung ein Energiekonzept, das den Wettbewerb nicht einseitig zu Ungunsten der Stadtwerke verzerrt. „Gerade bei einer möglichen Laufzeitverlängerung ist eine wettbewerbsneutrale Lösung unverzichtbar“, so der Sprecher der Trianel Geschäftsführung Sven Becker bei der Trianel Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. Andernfalls drohe mehr als nur die weitgehende Zementierung des Erzeugeroligopols.
Becker bezeichnete es als „unglücklich“, dass der Kern des Energiekonzeptes die Laufzeitverlängerung der Atommeiler sei, der sich alle anderen Parameter unterzuordnen hätten. Die Bundesregierung riskiere, dass der Investitionsstau andauere und die dringend notwendige Erneuerung des konventionellen Kraftwerksparks ausbleibe, mit fatalen Folgen für Umwelt und Strompreise.
Auch die Forderung aller politischen Parteien nach mehr Konkurrenz im Erzeugungsbereich werde so konterkariert. Becker: „Ohne echten Wettbewerb bei der Stromerzeugung wird der Kunde allen Lippenbekenntnissen der Kernkraftlobby zum Trotz die Zeche zahlen müssen.“ Nur Wettbewerb garantiere niedrige Strompreise.
Trianel schlägt vor, eine Laufzeitverlängerung mit einer Abschaltung alter Kraftwerke zu koppeln. Diesen Lösungsweg zeigt auch eine Studie des Aachener Energieinstituts BET auf. Er würde den Wettbewerbsgedanken und die Klimaschutzziele der Bundesregierung in Einklang bringen. Die BET-Forscher schlagen vor, eine Laufzeitverlängerung gesetzlich mit der Abschaltung ineffizienter Braun- und Steinkohlekraftwerke der Kernkraftwerksbetreiber zu kombinieren. Dadurch würden neue hocheffiziente Erzeugungsanlagen notwendig werden. Zudem ließen sich bis 2030 zusätzlich rund 400 Millionen Tonnen CO2 vermeiden.
Um die erneuerbaren Energien, insbesondere die Windkraft, besser in den Markt zu integrieren, sollten im Energiekonzept Direktvermarktungsmöglichkeiten festgeschrieben werden. „Diese wäre ein Anreiz für die Windanlagenbetreiber“, ist sich Becker sicher, „aus der EEG-Förderung in die Direktvermarktung einzusteigen, um Windstrom bedarfsgerecht ins Netz zu stellen.“ Das bereits von der Politik diskutierte, sogenannte Marktprämienmodell gebe genau diesen Anreiz und sei verglichen mit anderen diskutierten Modellen bereits soweit ausformuliert, dass es kurzfristig umsetzbar sei.
Von der neuen rot-grünen Landesregierung in NRW erhofft sich Trianel eine zügige Reform der Gemeindeordnung. Im Energie- und Versorgungsbereich könne so das Gleichgewicht zwischen Stadtwerken und den Großkonzernen wieder hergestellt werden.
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