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Lasse Süthoff, Referent Geschäftsfeldentwicklung, Trianel GmbH
Trianel persönlich , Flexibilitätsmanagement , Umwelt- und Klimaschutz , Trendscouting 07.09.2023

Trianel persönlich: Lasse Süthoff, Referent Geschäftsfeldentwicklung Grüne Wärme

Wer sich über unsere zukünftige Energieversorgung informiert, hört viel über „Grüne Wärme“. Sie spielt eine entscheidende Rolle in der Energiewende, da der Wärmesektor einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch ausmacht und somit ein wichtiger Bereich für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen ist. Dies geht an kaum einem Unternehmen in der Energiewirtschaft vorbei. Über das warum sprachen wir mit Lasse Süthoff, Referent Geschäftsfeldentwicklung Grüne Wärme bei Trianel.

Warum ist „Grüne Wärme“ ein Hoffnungsträger für die Energiewende?

Die „Grüne Wärme" ist kein Hoffnungsträger für die Energiewende, sondern ein absolutes Muss. Der Wärmesektor ist mit ca. 1.300 TWh im Jahresverbrauch so groß wie der Strom- und Verkehrssektor zusammen und sorgt für ungefähr 40 % unserer CO2 Emissionen in Deutschland. Wenn wir klimaneutral werden wollen, kommen wir somit an einer Dekarbonisierung dieses „schlafenden Riesens" nicht vorbei.

Dabei läuft es in der „Grünen Wärme“ ähnlich wie im Stromsektor auf eine Dezentralisierung und Diversifizierung des Anlagenportfolios hinaus. Grüne Wärme“ muss letztendlich vor Ort mit den individuellen Möglichkeiten der Umweltwärme generiert werden. Grüne Wärme bzw. Wärme generell kann nicht über weite Distanzen transportiert werden. Das heißt, wir müssen auf lokale Wärmequellenpotentiale, wie Solarthermie, Geothermie, Gewässer und Luft, setzen und diese zum Beispiel durch den Einsatz von (Groß-)Wärmepumpen kalorisch aufwerten. Durch die Individualität gibt es in der „Grünen Wärme“ nicht die eine Lösung – silver bullet –, aber es gibt Anhaltspunkte, die auch von der Politik vorangetrieben werden. So stellt zum Beispiel das Geschäftsfeld der leitungsgebundenen Wärmeversorgung (Fernwärme) eine gute Möglichkeit dar, auch Gebiete mit hohen Wärmedichten zu versorgen. Stadtwerke haben mit dieser Wärmeversorgungstechnologie reichlich Erfahrung und Nachbarstaaten wie Österreich, die Schweiz und vor allem die skandinavischen Länder machen vor, wie ein bunter Blumenstrauß an grünen Wärmeerzeugern die Fernwärmelieferung dekarbonisieren kann.

Generell stehen wir mit 18 % regenerativem Anteil im Wärmesektor noch in den Startlöchern, aber die Best-Practice-Beispiele nehmen zu und der aufkommende politische Wille macht Hoffnung.

In welchen Bereichen siehst du die größten Chancen, dass sich „Grüne Wärme“ durchsetzen wird?

Letztendlich wird sich die grüne Wärme in allen Bereichen des Wärmesektors „durchsetzen“ müssen. Welche Verbrauchssektoren, also den Industrie- oder den Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungs- oder den Gebäudesektor die grüne Wärme „schneller“ dekarbonisieren wird, ist eher die Frage. Das hängt im Grunde genommen von Faktoren wie dem Gaspreis, dem Strompreis, der CO2-Preisentwicklung und den politischen Zielen und Vorgaben der Regulatorik ab. Dass wir so eine starke Abhängigkeit von russischem Gas entwickelt haben, ist eine stark ökonomisch getriebene Entwicklung gewesen. Die bevorstehende Transformation zu größeren Wärmenetzen und dezentralen Objektversorgungsoptionen (wie zum Beispiel der Wärmepumpe teilweise in Kombination mit Sanierung) benötigt wiederum immense Investitionen. Und das ist im Grunde meines Erachtens der momentan lähmende Faktor. Beispielhaft: Wenn jede Kommune in Deutschland ab ca. 100.000 Einwohnern einen einstelligen Milliardenbetrag in die Hand nehmen muss, um die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren, ist das auch für „Chancen-Seher“ nicht klein zu reden.

Was technisch getan werden muss, ist in der Wärmewende eigentlich klar. Die Herausforderung ist auch hier die Akzeptanz zu heben und die Investitionen dieser immensen Transformation zu stemmen. Das wurde spätestens mit den Diskussionen der letzten Monate um das „Heizungsgesetz“ (Gebäudeenergiegesetz) vollends klar. Die Quintessenz ist nun, dass man Tempo rausnimmt, jede Kommune erstmal in Ruhe einen Wärmeplan erstellt und dann den Bürgern klar aufgezeigt werden kann, welche Grüne-Wärme-Optionen in ihrer Region zur Verfügung stehen. Also erst planen und dann verpflichten.

Sicher ist, dass sich grüne Wärme jetzt schon in Neubaugebieten durchsetzt. Unsere Stadtwerke-Kunden spiegeln uns, dass Versorgungsformen, wie kalte Nahwärme oder dezentrale Wärmepumpen, mittlerweile state of the art sind und keine Gasnetze mehr in Neubaugebiete gelegt werden. Das ist ein Trend, der sich in den letzten zwei Jahren sehr schnell entwickelt hat. 

Und in welchen Gebieten siehst du die größten Hürden für den Einsatz von „grüner Wärme“?

Im sogenannten (Gebäude-)Bestand – historische Stadtkerne mit einem hohen Bedarf an Wärme, da nicht gut gedämmt. Hier kommt man im Grunde um die Verlegung von leitungsgebundener Wärme nicht drum herum. Man hat nicht viel Platz vor Ort und muss die Wärme sozusagen von außerhalb in das Verbrauchsgebiet transportieren. Das bedeutet Tiefbaumaßnahmen bis zu jedem Gebäude, sofern noch kein Wärmenetz vorhanden ist, welches verdichtet werden könnte. Alternativen zur leitungsgebundenen Wärme werden hier noch gesucht.

Welche Aufgaben bei Trianel verbergen sich hinter deiner Titelbezeichnung?

Ich habe zwei Aufgabenfelder: Ich bin Referent „Grüne Wärme" im Trianel FlexStore und ich bin Teil der Projektleitung gemeinsam mit meiner Kollegin Christina Weiß und meinem Kollegen Paul Jüngst im Produkt von Trianel „Klimaneutrale Stadt".

Im FlexStore sprechen wir im Team von drei Säulen: Wir sind Referenten im FlexStore und arbeiten mit unseren Netzwerkpartnern zusammen. Des Weiteren werden wir in individuellen Beratungsprojekten konkreter und schließlich begleiten wir Stadtwerke bei der konkreten Umsetzung von Projekten. 

Im Rahmen der „Klimaneutralen Stadt" etablieren wir Beratungsdienstleistungen, die auf die Klimaneutralität einzahlen. Unser Produkt „Wärmeleitplanung" als Antwort auf die Verpflichtung der Kommunen eine kommunale Wärmeplanung durchführen zu müssen, bildet derzeit einen Schwerpunkt.

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Es gibt tatsächlich eine Komponente, die sich in fast allen meinen Arbeitstagen wieder findet – viel reden 😊 Sehr zum Leid meiner Büronachbarinnen und -nachbarn hier in Hamburg. Ansonsten ist es die pure Abwechslung. Ich bewege mich viel zwischen Mikroebene und Makroebene hin und her. Das hält definitiv auf Trapp.

Was hast du vor deiner Zeit bei Trianel gemacht?

Ich war als Projektmanager an der HAW Hamburg im SINTEG Projekt Norddeutsche Energiewende 4.0 angestellt. Im Grunde haben wir verschiedene Sektorenkopplungstechnologien erforscht, mit denen der Windstrom aus Schleswig-Holstein mit der Senke Hamburg gekoppelt werden kann. Meine Rolle war dabei eine Art Assistenz der Geschäftsführung, also der Projektleitung dieses Konsortiums aus über 60 Partnern der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Welche Rolle kann Trianel spielen, um „Grüne Wärme" in Deutschland bzw. im kommunalen Bereich zu etablieren?

Über unser Beratungsgeschäft können wir zunächst einmal konzeptionell und planerisch unterstützen. Wir können dem kommunalen Bereich dadurch so gut es geht eine Art Planungssicherheit vermitteln. Zudem können wir dann im Anschluss in der Umsetzung tätig werden. In der Rolle, in der wir momentan das Wasserstoffzentrum Hamm begleiten, denken wir an, Projekte zu Tiefengeothermie oder Großwärmepumpen zu entwickeln.

Was sind für Stadtwerke die größten Herausforderungen?

Stadtwerke sind im Wärmegeschäft meistens Gasverteilnetzbetreiber und Gaslieferanten. Dieses Geschäftsfeld wird sich in den nächsten 25 Jahren stark verändern. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass es in einem klimaneutralen Deutschland keine Gasverteilnetze mehr geben wird – auch nicht mit Wasserstoff. Die Frage ist, wie gut sich die einzelnen Stadtwerke auf die neuen Geschäftsmodelle einstellen können? Ist der Wille zum Wandel im Unternehmen verankert? Oder hält man eher an bestehenden Strukturen fest?

Wie verbringst du deine Freizeit?

Möglichst aktiv. Viel Sport, aber Kunst und Kultur dürfen auch nicht zu kurz kommen. Alles steht und fällt mit den Menschen mit denen man diese Momente teilt.

Lasse Süthoff, Referent Geschäftsfeldentwicklung, Trianel GmbH

Lasse Süthoff

Senior Referent „Grüne Wärme" 

Wärmeleitplanung als zentrale Herausforderung zur Erreichung der Klimaneutralität

Die effiziente Verteilung von Wärme in Städten und Gemeinden wird zunehmend bedeutender, um Energie zu sparen und nachhaltige Lösungen zu finden. Die Mitgestaltung des Stadtwerkes an der kommunalen Wärmeplanung ist strategisch entscheidend!

Gehen Sie die vom Wärmeplanungsgesetz vorgeschriebene Wärmeplanung an und sichern Sie sich 60 % Förderung. Ergreifen Sie diese Gelegenheit, um die Grundlagen für eine dekarbonisierte und effiziente Wärmeplanung in Ihrer Region zu legen.

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