Zurück zur Übersicht aller Artikel
Erlöse aus EE-Anlagen absichern: Bereit für die Post EEG-Zeit?
Erneuerbare Energien & Flexibilität , Stromerzeugung & Anlagenvermarktung 13.10.2026

Erlöse aus EE-Anlagen absichern: Bereit für die Post-EEG-Zeit?

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 13.10.2026 veröffentlicht und gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Inhalte können aufgrund nachträglicher Entwicklungen, insbesondere tatsächlicher oder rechtlicher Art, überholt oder unzutreffend sein.

Terminmarkt statt reiner Spotmarktabhängigkeit

Wie können Betreiber von EE-Anlagen attraktive Marktphasen nutzen und zugleich ihre Erlöse langfristig absichern?

Dieser Frage gingen Daniel Bens, Teamleiter Kunden-Asset-Portfoliomanagement, und Luca Daehnert, Asset-Portfoliomanager, im Webinar am 16.09.2026 nach. Sie erläuterten, warum aktives Portfoliomanagement angesichts volatiler Märkte und mit Blick auf die Post-EEG-Phase an Bedeutung gewinnt.

Lange konnten sich Betreiber geförderter Erneuerbare-Energien-Anlagen auf vergleichsweise stabile Erlöse verlassen. Hohe EEG-Vergütungen, wenige Stunden mit negativen Preisen und relativ konstante Marktwertfaktoren machten eine aktive Beobachtung des Terminmarkts häufig entbehrlich. Das Prinzip war lange erfolgreich: Über die Marktprämie erhielten sie immer mindestens einen bestimmten Referenzwert pro Megawattstunde, den sogenannten anzulegenden Wert.

Diese Ausgangslage verändert sich grundlegend. Sinkende EEG-Zuschlagswerte, der weitere Ausbau erneuerbarer Energien und mehr negative Preisstunden erhöhen die Abhängigkeit vom Spotmarkt. Von 2018 bis 2025 stieg die Zahl negativer Stunden in der Day-Ahead-Auktion von 128 auf 655 (EPEX SPOT). Besonders PV-Anlagen spüren die Folgen: Marktwertfaktoren geraten unter Druck, geplante Erlöse können ausbleiben und Liquiditätsrisiken steigen.

Wandel in der Welt der EE-Vermarktung

Hohe Preise schaffen kurze Chancenfenster

Terminvermarktung von EE-Anlagen: Hohe Preise schaffen kurze Chancenfenster

Gleichzeitig ist eine steigende Volatilität zu beobachten: Geopolitische Spannungen, Wetterlagen, Speicherfüllstände oder steigende CO₂-Preise können Terminmarktpreise kurzfristig deutlich erhöhen.

Nach einem Niveau von rund 80 bis 85 Euro je Megawattstunde stiegen die Terminmarktpreise für das Lieferjahr 2027 (Cal27, Baseload Strom Deutschland) im September 2026 zeitweise erheblich an – Spitzenwerte von rd. 136 €/MWh wurden erreicht.

 

Für Anlagen mit Erzeugung in den Jahren 2027 und 2028 können solche Marktphasen attraktive Absicherungschancen bieten. Durch den Verkauf von Teilmengen lassen sich Preise oberhalb des anzulegenden Werts sichern und zusätzliche Deckungsbeiträge erzielen. Wer Verträge, Kreditlinien, Prozesse und Vermarktungsstrategie erst während einer Hochpreisphase aufsetzt, kann meist nicht rechtzeitig handeln, sondern „bleibt als Zuschauer an der Seitenlinie zurück“.

Portfoliomanagement schafft Handlungsfähigkeit

Aktives Portfoliomanagement bedeutet nicht, auf Preisentwicklungen zu spekulieren. Abgesichert werden ausschließlich Mengen, die durch eine realistisch erwartbare Erzeugung gedeckt sind. Dafür werden saisonale und tageszeitliche Erzeugungsprofile von Wind- und PV-Anlagen analysiert und in standardisierte Terminmarktprodukte übersetzt. Individuelle Leitplanken definieren Mengen, Laufzeiten und Preisniveaus. Verkäufe erfolgen gestaffelt in Tranchen und nur, wenn das Asset gegenüber seiner Förderposition wirtschaftlich bessergestellt wird.

Die tatsächliche Erzeugung wird unabhängig davon weiterhin über die Direktvermarktung am Spotmarkt verkauft.

Portfoliomanagement schafft Handlungsfähigkeit - Trianel

Was Anlagenbetreiber jetzt prüfen sollten

Entscheidend ist, die Vermarktungsoption zu schaffen, bevor sich eine Marktchance ergibt. Das heißt, das Portfolio mit allen wirtschaftlichen Parametern erfassen, Erzeugungsdaten und Förderstruktur analysieren sowie Mindestpreise, Risikobudgets und Hedge-Quoten festlegen. Vor allem für größere und diversifizierte Portfolios mit mehreren Standorten oder Technologien ist das aktive Portfoliomanagement am Terminmarkt eine sinnvolle Ergänzung.

Die Terminvermarktung verbessert aber nicht nur die Planbarkeit heutiger Erlöse. Geförderte Anlagen sammeln zugleich Erfahrungen mit marktorientierter Vermarktung und Risikosteuerung, die mit sinkender Förderattraktivität und in der Post-EEG-Phase an Bedeutung gewinnen.

 

Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, wie Sie attraktive Terminmarktphasen für eine langfristige Erlösabsicherung nutzen können.

Jetzt Handlungsfähigkeit schaffen

Mehr Informationen, Trends und Impulse zur Energiewirtschaft und rund um Trianel finden Sie in unserem Webmagazin.

Ihr Interesse ist geweckt?

Ihre Ansprechpartner

Daniel Bens

Teamleiter Kunden-Asset-Portfoliomanagement

Luca Daehnert, Junior Asset Manager bei Trianel

Luca Daehnert

Asset-Portfoliomanager

Zurück zur Übersicht aller Artikel