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EE-Anlagen: aktive Vermarktung für mehr Erlöse
Stromerzeugung & Anlagenvermarktung 26.06.2026

EE-Anlagen: aktive Vermarktung für mehr Erlöse

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 26.06.2026 veröffentlicht und gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Inhalte können aufgrund nachträglicher Entwicklungen, insbesondere tatsächlicher oder rechtlicher Art, überholt oder unzutreffend sein.

Trianel Webinar für Stadtwerke

Lange war für Stadtwerke und Energieversorger die Vermarktung erneuerbarer Energien vergleichsweise einfach: Hohe anzulegende Werte, moderate Kannibalisierungseffekte, wenige negative Stunden und eine geringere Preisvolatilität sorgten für stabile Erlöse. Doch die Zuschlagswerte bei EE-Ausschreibungen sind rückläufig – der durchschnittliche Zuschlagswert bei BNetzA-Ausschreibungen für Wind-Onshore-Anlagen sank seit August 2024 bei steigenden Gebotsvolumina und sinkenden EEG-Zuschlägen um 24 % (Quelle: BNetzA) – und setzen die EE-Anlagen unter Vermarktungsdruck. Außerdem belasten die zunehmende Zahl von negativen Stunden im Markt und die hohe Preisvolatilität zunehmend die Erlössituation. Insbesondere die jüngsten geopolitischen Entwicklungen und das gestiegene Preisniveau zeigen: Wer auch kurzfristige Marktchancen nutzen möchte, muss frühzeitig vermarktungsfähig sein.  

Wie lassen sich also Erlöse aus EE-Anlagen trotz oder gerade wegen volatiler Märkte sichern? Genau dieser Frage widmete sich das Trianel Webinar vom 21. Mai 2026. Exklusiv für Stadtwerke zeigten Daniel Bens, Teamleiter Kunden-Asset-Portfoliomanagement, und Luca Daehnert, Asset-Portfoliomanager, warum eine aktive Terminvermarktung an Bedeutung gewinnt und welche Voraussetzungen für die aktive Bewirtschaftung von EE-Assets wichtig sind. 

Warum aktives Portfoliomanagement immer wichtiger wird

Mit dem starken Ausbau erneuerbarer Energien und der steigenden EE-Einspeisung wird aktives Portfoliomanagement zu einem zentralen Erfolgsfaktor in der EE-Vermarktung. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Spotmarktpreisen und anzulegenden Werten zu reduzieren und damit Erzeugungsportfolios wirtschaftlicher steuern zu können.  

Grundlage dafür ist eine aktive Terminvermarktung, bei der Teilmengen der erwarteten Stromerzeugung zu attraktiven Marktzeitpunkten und Preisniveaus vorab am Terminmarkt vermarktet werden. Dafür werden die volatilen Erzeugungsprofile in handelbare Marktpositionen überführt.

Um das Zielbild von volatiler EE-Erzeugung zu planbaren Erlösen zu erreichen, sollten insbesondere vier Fragen beantwortet werden: 

  • Wie lassen sich volatile Erzeugungsprofile belastbar bewerten? 
  • Welche zukünftigen Vermarktungsmengen sind realistisch? 
  • Wie werden die Anforderungen in wirtschaftliche Terminmarktprodukte übersetzt? 
  • Wie gelingt die Balance zwischen Risikoabsicherung und Renditesteigerung? 

Weg von der Direktvermarktung hin zur aktiven Terminvermarktung

Trianel unterstützt Anlagenbetreiber dabei, den Weg von der klassischen Direktvermarktung zur aktiven Terminvermarktung strukturiert zu gestalten. Während einerseits die tägliche Erzeugung weiterhin im Rahmen der Direktvermarktung physisch vermarktet wird, dient andererseits die aktive Terminvermarktung der Erlösabsicherung und gezielten Nutzung von Marktchancen. 

Am Anfang steht eine fundierte Portfolioanalyse, aus der eine Vermarktungsstrategie abgeleitet und erwartete Erzeugungsmengen in handelbare Terminprodukte überführt werden. So erfolgt Schritt für Schritt eine aktive Bewirtschaftung von EE-Assets – mit mehr Steuerungsmöglichkeiten und besserer Planbarkeit in volatilen Märkten.

Insbesondere für Stadtwerke und Energieversorger mit Anlagen mit geringer oder auslaufender EEG-Förderung oder mit einem großen, diversifizierten Anlagenportfolio wird die aktive Terminvermarktung zunehmend relevant. 

Die wichtigsten Vorteile sind: 

  • Absicherung der Erlöse gegen fallende Spotmarktpreise 
  • Kein Einfluss auf Lieferverpflichtungen 
  • Zusätzliche Ertragschancen in dynamischen Marktphasen

Praxisbeispiel: Absicherung eines Wind-Onshore-Portfolios mit EEG-Förderung im Q2-25

Was eine aktive Terminvermarktung in der Praxis bewirken kann, zeigt das Beispiel eines Wind-Onshore-Portfolios mit 50 MW installierter Leistung und einer jährlich erwartbaren Erzeugung von 115 GWh. Mit der Festlegung einer zu vermarktenden Menge von 11 MW sowie der Ableitung eines Mindestpreises als Steuerinstrument für den Markteinstieg erfolgte die Vermarktung der Mengen zeitlich verteilt und wurde in Phasen attraktiver Marktpreise gezielt erhöht (Abb. 1). Dadurch wurden rund 349.000 Euro Mehrerlöse gegenüber dem Mindestpreis erzielt. 

Abb. 1

Möchten Sie mehr zur Terminvermarktung für EE-Anlagen erfahren oder die Vermarktungsfähigkeit Ihres EE-Portfolios prüfen lassen?

Mehr erfahren

Mehr Informationen, Trends und Impulse zur Energiewirtschaft und rund um Trianel finden Sie in unserem Webmagazin.

Inr Interesse ist geweckt?

Ihre Ansprechpartner

Daniel Bens

Teamleiter Kunden-Asset-Portfoliomanagement

Luca Daehnert, Junior Asset Manager bei Trianel

Luca Daehnert

Asset-Portfoliomanager

Wissenswerte Begriffe


Anzulegender Wert

Der anzulegende Wert (AZW) ist der Referenzwert, den Betreiber einer Windenergie oder Solaranlage im Rahmen der EEG-Förderung für ihren erzeugten Strom erhalten. Liegt der erzielte Marktwert unter diesem Wert, gleicht der Netzbetreiber die Differenz über die Marktprämie aus. Liegt der Marktwert darüber, verbleibt der zusätzliche Erlös beim Anlagenbetreiber. Der AZW stellt somit eine garantierte Erlösuntergrenze dar und schafft Planungssicherheit. Er gilt in der Regel für einen Zeitraum von 20 Jahren und wird im Rahmen staatlicher Ausschreibungen festgelegt, an denen Anlagenbetreiber teilnehmen können. Je nach Zeitpunkt der Inbetriebnahme gelten unterschiedliche gesetzliche Regelungen. Bei neueren Anlagen entfällt die Förderung beispielsweise in Stunden mit negativen Börsenstrompreisen. Für ältere Anlagen greift diese Regelung entweder nicht oder erst nach einer bestimmten Anzahl aufeinanderfolgender Stunden mit negativen Preisen.


Direktvermarktung

Bei der Direktvermarktung wird der erzeugte Strom nicht zu einer festen EEG-Vergütung an den Netzbetreiber abgegeben, sondern über einen Direktvermarkter am Strommarkt verkauft. Bei EEG-geförderten Anlagen wird die Differenz zwischen Marktwert und anzulegendem Wert in der Regel über die Marktprämie ausgeglichen.


Erlösprofil

Ein Erlösprofil zeigt, welche Erlöse eine Energieanlage zu unterschiedlichen Zeitpunkten erzielt. Es ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Erzeugungsprofil und den jeweils gültigen Strompreisen. Da Strompreise im Tages- und Jahresverlauf schwanken, können auch die Erlöse einer Anlage trotz gleicher Erzeugungsmenge variieren.


Erzeugungsprofil

Ein Erzeugungsprofil stellt dar, in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt eine Energieanlage Strom produziert. Je nach Technologie unterscheidet sich dieses Profil. Solaranlagen erzeugen Strom nur bei Sonneneinstrahlung, während Windenergieanlagen abhängig von den Windverhältnissen Strom produzieren. Das Erzeugungsprofil beeinflusst den Wert des erzeugten Stroms, da sich die Börsenstrompreise im Tages- und Jahresverlauf verändern.


Kannibalisierungseffekt

Der Kannibalisierungseffekt beschreibt den Rückgang der Strompreise, wenn viele Anlagen derselben Erzeugungstechnologie gleichzeitig Strom einspeisen. So führen beispielsweise hohe Photovoltaik-Einspeisungen an sonnigen Tagen oder eine starke Windeinspeisung häufig zu sinkenden Börsenstrompreisen. Dadurch nimmt der durchschnittliche Marktwert des erzeugten Stroms ab und die Erlöse der Anlagenbetreiber können sinken.


Marktwert

Der Marktwert beschreibt den durchschnittlichen Börsenstrompreis, den eine Erzeugungstechnologie wie Windenergie oder Photovoltaik in einem bestimmten Zeitraum erzielt. Er wird maßgeblich durch das Erzeugungsprofil bestimmt, da der Wert des erzeugten Stroms davon abhängt, wann eine Anlage Strom produziert und welche Börsenstrompreise zu diesen Zeitpunkten gelten. Der Marktwert dient unter anderem als Grundlage für die Berechnung der Marktprämie im EEG.


Negative Stunden

Als negative Stunden werden solche bezeichnet, in denen der gehandelte Strompreis in der EPEX-Spot-Auktion unter 0 €/MWh liegt. Sie entstehen, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt, beispielsweise weil erneuerbare Energien bei gleichzeitig geringer Nachfrage viel Strom ins Netz einspeisen und ihre Erzeugung nicht kurzfristig reduziert werden kann oder sie aufgrund ihres Förderregimes keinen Anreiz haben ihre Produktion zu senken. Dadurch entsteht ein Angebotsüberschuss. In diesen Stunden wird der Stromverbrauch vergütet, während für die Stromeinspeisung gezahlt werden muss.


Preisvolatilität

Preisvolatilität beschreibt das Ausmaß, in dem Strompreise innerhalb eines bestimmten Zeitraums schwanken. Sie wird unter anderem durch Veränderungen von Angebot und Nachfrage, Wetterbedingungen sowie geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen beeinflusst. Eine hohe Preisvolatilität eröffnet zusätzliche Vermarktungschancen, erhöht jedoch gleichzeitig die Anforderungen an eine aktive Vermarktungsstrategie.


Terminmarktprodukte

Terminmarktprodukte ermöglichen den Handel von Strom für verschiedene zukünftige Lieferzeiträume. Angeboten werden unter anderem Tages-, Wochen-, Monats-, Quartals- und Jahresprodukte. Zudem gibt es unterschiedliche Lieferprofile. Base-Produkte gelten für alle Stunden eines Tages, Peak-Produkte nur für die Stunden von 8 bis 20 Uhr.


Terminmarkt

Der Terminmarkt ist ein Handelsplatz, an dem Strom bereits Monate oder Jahre vor der tatsächlichen Lieferung zu einem festen Preis gekauft oder verkauft wird. Dadurch können sich Erzeuger und Verbraucher frühzeitig gegen Preisschwankungen absichern und ihre Erlöse beziehungsweise Beschaffungskosten langfristig planen. Im Gegensatz zum Spotmarkt können Terminmarktgeschäfte auch rein finanziell abgewickelt werden, ohne dass eine physische Stromlieferung erfolgen muss.


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