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Erneuerbare Energien & Flexibilität 04.08.2026

Wie Stadtwerke Batteriespeicherprojekte erfolgreich umsetzen

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 04.08.2026 veröffentlicht und gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Inhalte können aufgrund nachträglicher Entwicklungen, insbesondere tatsächlicher oder rechtlicher Art, überholt oder unzutreffend sein.

Batteriespeicher haben sich in kurzer Zeit von einer Zukunftstechnologie zu einem zentralen Baustein der Energiewende entwickelt. Für Stadtwerke eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, Flexibilität zu vermarkten und an der Transformation des Energiesystems teilzuhaben. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen an Projektentwicklung, Finanzierung und Umsetzung spürbar zu.

Wie groß das Interesse an diesem Thema aktuell ist, zeigte auch unser Webinar „Wie Stadtwerke Batteriespeicherprojekte erfolgreich umsetzen“, das am 16.7. stattfand. Die hohe Teilnehmerzahl und die Vielzahl an Fragen machten deutlich: Viele kommunale Energieversorger beschäftigen sich bereits konkret mit Speicherprojekten oder prüfen erste Investitionen in diesem Zukunftsmarkt.

Der Markt wächst, aber nicht jedes Projekt wird Realität

Die Erwartungen an den Batteriespeichermarkt sind hoch. Bisher sind in Deutschland bereits rund 2,9 GW Großbatteriespeicher installiert worden. Für die kommenden Jahre erwarten Marktbeobachter ein starkes Wachstum. Je nach Prognose könnte die installierte Leistung bis 2045 auf 16 bis 44 GW steigen.

Gleichzeitig sorgt der oft zitierte „BESS-Tsunami“ regelmäßig für Diskussionen. Hintergrund sind Netzanschlussanfragen für Batteriespeicher mit einem Umfang von rund 720 GW. Diese Zahl vermittelt jedoch ein verzerrtes Bild des Marktes. Eine von Trianel beauftragte Analyse von AFRY Management Consulting kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich rund 27 GW davon einer realistischen Projektpipeline zuzuordnen sind. Bis Mitte 2029 werden voraussichtlich lediglich 8 bis 12 GW tatsächlich realisiert. Projekte mit einer möglichen finalen Investitionsentscheidung bereits im Jahr 2026 machen nach aktuellen Einschätzungen sogar nur rund 5 GW aus.

Für Stadtwerke bedeutet das: Der Wettbewerb nimmt zu, doch es bestehen weiterhin attraktive Chancen für gut vorbereitete Projekte.

Der Business Case ist komplexer als häufig angenommen

Auf den ersten Blick erscheint das Geschäftsmodell eines Batteriespeichers einfach. Strom wird in günstigen Marktphasen geladen und bei hohen Preisen wieder vermarktet. Tatsächlich steckt hinter einem wirtschaftlich erfolgreichen Projekt jedoch deutlich mehr.

Bereits vor einer Investitionsentscheidung müssen zahlreiche Fragestellungen beantwortet werden: Welche Vermarktungsstrategie ist die richtige? Welche Auswirkungen haben regulatorische Änderungen? Wie entwickelt sich die Erlössituation in einem Markt mit zunehmendem Speicherzubau? Und wie wirken sich mögliche Netzrestriktionen auf die Wirtschaftlichkeit aus?

Hinzu kommt, dass Stand-alone-Batteriespeicher keine EEG-Förderung erhalten. Die Erlöse müssen vollständig am Markt erwirtschaftet werden. Als wichtige Erlösquellen gelten neben den Regelenergiemärkten insbesondere die Kurzfristmärkte wie der Intraday-Handel. Zudem gehen nahezu alle Marktprognosen davon aus, dass die Erlöse mit zunehmender Marktreife langfristig sinken werden. Ein zügiger Markteintritt kann daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein.

Die eigentlichen Herausforderungen beginnen nach der Projektidee

Wer sich intensiver mit Batteriespeicherprojekten beschäftigt, erkennt schnell: Die größte Herausforderung ist häufig nicht die Idee selbst, sondern deren Umsetzung.

Das wurde auch am Praxisbeispiel eines aktuellen RegioSpeicher-Projekts deutlich, das Trianel gemeinsam mit einem Stadtwerk entwickelt. Geplant ist ein Stand-alone-Batteriespeicher mit 10 MW Leistung und 20 MWh Kapazität an einem bestehenden Umspannwerk. Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2027 vorgesehen. Investitionen, Risiken und spätere Erlöse werden von den Projektpartnern gemeinsam getragen.

Bis ein Speicher tatsächlich Strom vermarktet, müssen jedoch zahlreiche Meilensteine erreicht werden: Flächensicherung, Netzanschlusszusage, Genehmigung, Netzanschlussvertrag, Beschaffung, Bau und Inbetriebnahme. Erst danach beginnt die aktive Vermarktung.

Gerade im Genehmigungsverfahren zeigt sich die Komplexität vieler Vorhaben. Einen standardisierten Bauantrag für Batteriespeicher gibt es bislang nicht. Je nach Standort können Schallschutzgutachten, Bodengutachten, Brandschutzkonzepte oder weitere Nachweise erforderlich werden. Welche Unterlagen tatsächlich verlangt werden, zeigt sich oftmals erst im Verlauf des Verfahrens.

Netzanschluss wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Neben Genehmigung und Wirtschaftlichkeit rückt zunehmend der Netzanschluss in den Mittelpunkt der Projektentwicklung.

Netzbetreiber müssen heute nicht nur bestehende Erzeugungsanlagen berücksichtigen, sondern auch den weiteren Ausbau von Photovoltaik, E-Mobilität, Wärmepumpen und zusätzlichen Speichern. Entsprechend nehmen flexible Netzanschlussvereinbarungen zu. Diese können vorsehen, dass ein Batteriespeicher seine Lade- oder Entladeleistung zu bestimmten Zeiten reduzieren muss.

Für Projektentwickler entsteht dadurch eine zusätzliche Herausforderung: Standardisierte Erlösprognosen reichen häufig nicht mehr aus. Die konkreten Restriktionen am jeweiligen Standort müssen individuell bewertet und in der Wirtschaftlichkeitsrechnung berücksichtigt werden. Zudem fehlen vielerorts noch die digitalen Voraussetzungen, um Netzsituationen dynamisch und in Echtzeit zu steuern.

Regulatorik bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Zusätzliche Dynamik bringt derzeit der AgNes-Prozess (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) der Bundesnetzagentur in den Markt.

Nach den aktuellen Vorschlägen sollen Batteriespeicher ab 2029 grundsätzlich einen Kapazitätspreis zahlen. Dieser liegt nach heutiger Einschätzung bei etwa 4.000 bis 7.000 Euro pro MW und Jahr. Für Projekte ohne Vertrauensschutz kann dies über die Laufzeit eines Speichers zusätzliche Kosten von 60 bis 105 Euro pro kW verursachen und die Rendite um ein bis drei Prozentpunkte reduzieren.

Für viele Projektentwickler steht deshalb die Frage im Mittelpunkt, ob die notwendigen Kriterien einer finalen Investitionsentscheidung (FID) rechtzeitig erreicht werden können. Nach aktuellem Stand setzt dies eine verbindliche Netzanschlusszusage, die Bestellung zentraler Komponenten sowie Verträge voraus, von denen nicht ohne wesentlichen Vermögensschaden zurückgetreten werden kann.

Die Erfahrungen aus laufenden Projekten zeigen jedoch auch: Einzelne regulatorische Änderungen sind selten allein entscheidend für den Erfolg eines Projekts. Erst das Zusammenspiel von Netzanschluss, Standortqualität, Investitionskosten, Vermarktung und Regulatorik bestimmt die tatsächliche Wirtschaftlichkeit.

RegioSpeicher: Kommunale Stärke trifft Projektexpertise

Die Vielzahl technischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Anforderungen macht deutlich, warum viele Speicherprojekte heute von Partnerschaften profitieren.

Hier setzt das Trianel Modell RegioSpeicher an. Während Stadtwerke ihre lokale Verankerung, Flächen, Netzanschlüsse sowie den direkten Zugang zu Kommunen und Behörden einbringen, übernimmt Trianel zentrale Aufgaben der Projektentwicklung. Dazu gehören unter anderem Wirtschaftlichkeitsbewertungen, regulatorische Einordnungen, Projektsteuerung sowie technische und kommerzielle Fragestellungen.

Die gemeinsame Projektentwicklung ermöglicht es, Kosten und Risiken zu teilen, Synergien zu nutzen und Projekte effizienter umzusetzen. Gerade in einem Marktumfeld, das sich technologisch und regulatorisch ständig weiterentwickelt, kann dieser partnerschaftliche Ansatz die Umsetzungswahrscheinlichkeit deutlich erhöhen.

Fazit

Batteriespeicher bieten Stadtwerken attraktive Perspektiven in einem wachsenden Zukunftsmarkt. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass erfolgreiche Projekte weit mehr erfordern als eine geeignete Fläche und einen positiven Business Case.

Entscheidend sind eine frühzeitige Sicherung von Netzanschluss und Genehmigungen, belastbare Erlösprognosen, ein professioneller Umgang mit regulatorischen Entwicklungen und die Fähigkeit, unterschiedlichste Fachdisziplinen in einem Projekt zusammenzuführen. Die Erfahrungen aus aktuellen RegioSpeicher-Projekten zeigen: Wer diese Herausforderungen strukturiert angeht und auf die richtigen Partnerschaften setzt, schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung von Batteriespeicherprojekten.

 

Möchten Sie mehr über unser Kooperationsangebot RegioSpeicher für die gemeinsame Entwicklung von Batteriespeicherprojekten mit Stadtwerken erfahren? Während Stadtwerke ihre lokale Expertise, Flächen und Netzanschlüsse einbringen, unterstützt Trianel die Projektentwicklung mit technischem, wirtschaftlichem sowie regulatorischem Know-how und übernimmt auch die Vermarktung des Batteriespeichers.

Mehr erfahren

Mehr Informationen, Trends und Impulse zur Energiewirtschaft und rund um Trianel finden Sie in unserem Webmagazin.

Ihr Interesse ist geweckt?

Ihre Ansprechpartner:innen

Dr. Ing. Monika Rentemeister

Senior Referentin Batteriespeicherprojekte

Christian Kühl

Referent Batteriespeicherprojekte

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