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Energieeinkauf: Warum der Eindeckungsgrad entscheidet
Energiehandel & Energieeinkauf 13.10.2026

Energieeinkauf: Warum der Eindeckungsgrad entscheidet

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 13.10.2026 veröffentlicht und gibt den Sachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Inhalte können aufgrund nachträglicher Entwicklungen, insbesondere tatsächlicher oder rechtlicher Art, überholt oder unzutreffend sein.

Energiepreise im Aufwärtstrend

Die Großhandelspreise für Strom und Gas befinden sich seit Anfang August in einem deutlichen Aufwärtstrend, der sich zuletzt weiter beschleunigt hat. Die Strompreisentwicklung ist dabei eng mit der Entwicklung am Gasmarkt verbunden. Die Marktentwicklung wird weiterhin von schwer kalkulierbaren geopolitischen Ereignissen geprägt. Zudem führt die Witterung, insbesondere durch ihren Einfluss auf Temperaturen und die Erzeugung aus erneuerbaren Energien, zu zusätzlicher Unsicherheit.

In unserem Webinar für Energieeinkäufer Mitte September 2026 zeigten Stefan Günther und Jens Butz anhand ihrer Erfahrung in der Betreuung zahlreicher EVU, Stadtwerke und Industriekunden auf, was die aktuelle Marktlage für Energieeinkäufer in Industrie und Gewerbe bedeutet: Offene Gas- und Strompositionen können bei weiter steigenden Preisen zu einer erheblichen Belastung werden. Wer ausschließlich auf ein neues Preistief wartet, trifft deshalb ebenfalls eine Entscheidung, nämlich eine Wette auf die künftige Marktentwicklung.

Der Eindeckungsgrad gibt die Richtung vor

Ob kurzfristig gehandelt werden muss oder noch Spielraum für Marktchancen besteht, hängt wesentlich vom aktuellen Eindeckungsgrad ab. Je geringer die bereits abgesicherte Menge, desto größer sind Preisrisiko und Handlungsdruck. Mit zunehmender Eindeckung wächst dagegen der Handlungsspielraum.

Abbildung: Eigene Position – Eindeckungsgrad – ermitteln

Eindeckungsgrad und Handlungsempfehlungen:

  • 0 % Eindeckung: kurzfristig Risiko reduzieren

Ist der Bedarf für 2027 noch vollständig offen, treffen weitere Preissteigerungen das Beschaffungsportfolio ungebremst. Gleichzeitig steigt mit jedem Abwarten die Abhängigkeit von der kurzfristigen Marktentwicklung. Empfehlung: Zeitnah eine erste Tranche von rund 30 % des Strom- und Gasbedarfs zu beschaffen. Ziel ist nicht, den perfekten Kaufzeitpunkt zu treffen, sondern das akute Preisrisiko spürbar zu reduzieren und wieder Handlungsspielraum zu gewinnen.

  • 25 % Eindeckung: gestaffelt weiter absichern

Auch bei einer Eindeckung von 25 % bleibt ein erheblicher Teil des Bedarfs den Marktbewegungen ausgesetzt. Statt den gesamten offenen Bedarf auf einmal zu schließen, bietet sich ein gestaffeltes Vorgehen an. Als Orientierungsgröße gilt eine Eindeckung von 60 bis 70 % bis Ende Oktober. So lässt sich das Preisrisiko reduzieren, ohne sämtliche Marktchancen sofort aufzugeben.

  • 50 % Eindeckung: Lieferzeiträume gezielt absichern

Bei einem Eindeckungsgrad von 50 % ist bereits ein wesentlicher Teil des Bedarfs gesichert. Dennoch bleibt das Portfolio bei weiter steigenden Preisen verwundbar. Hier können selektive Nachkäufe sinnvoll sein, beispielsweise für einzelne Quartale des Jahres 2027. Ziel sollte es sein, eine weitere Absicherung von rund 25 % zu erreichen.

  • 75 % Eindeckung: Marktchancen kontrolliert offenhalten

Sind bereits 75 % des Bedarfs gedeckt, ist das unmittelbare Preisrisiko deutlich geringer. Unternehmen verfügen damit über mehr Flexibilität und können einen Teil der offenen Menge bewusst für mögliche Marktchancen vorhalten – entlang klarer Kaufmarken und Grenzen sowie einem Vorgehen für den Fall weiterer Preissteigerungen.

Nicht die Prognose, sondern die eigene Position entscheidet

Die zentrale Handlungsempfehlung lautet: Zunächst den Eindeckungsgrad für 2027 prüfen und analysieren, wie sich unterschiedliche Preisszenarien auf das Portfolio auswirken. Der Grundbedarf sollte strategisch abgesichert werden, anstatt die gesamte Entscheidung von der Hoffnung auf günstigere Preise abhängig zu machen. Zusätzliche Mengen sollten abhängig von der Ausgangsposition gestaffelt und selektiv beschafft werden.

Die Beispiele zeigen: Es gibt keine Einkaufsstrategie, die für alle Unternehmen gleichermaßen passt. Maßgeblich sind neben dem Eindeckungsgrad die individuelle Risikotoleranz, das Beschaffungsmodell und die Auswirkungen verschiedener Preisszenarien auf das eigene Portfolio. Die genannten Werte bilden daher keinen Automatismus, sondern einen Orientierungsrahmen für eine unternehmensindividuelle Einkaufsentscheidung.

Ein Resilienz-Check kann zusätzlich zeigen, wie krisenfest die bestehende Einkaufsstrategie ist und an welchen Stellen Optimierungsbedarf besteht.

Wie robust ist Ihre Einkaufsstrategie?

Sehen Sie sich die Aufzeichnung des Webinars an und lassen Sie Ihren Eindeckungsgrad, Ihre Preisrisiken und Ihre Handlungsmöglichkeiten analysieren. Unsere Experten unterstützen Sie dabei, eine belastbare Strategie für Ihre konkrete Einkaufssituation zu entwickeln. 

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Ihre Ansprechpartner

Stefan Günther, Abteilungsleiter Beschaffungs-Portfoliomanagement Trianel GmbH

Stefan Günther

Abteilungsleiter Portfolio Solutions

Jens Butz, Key Account Manager bei der Trianel GmbH

Jens Butz

Senior Beschaffungs-Portfolio­manager

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