Negativpreise und „Hitzeflauten“ treiben Trianel FlexIndex im zweiten Quartal auf Jahreshöchststand
Extrempreisszenarien erhöhen Wertigkeit von Flexibilität
24. Juli 2026, Aachen. Der Trianel FlexIndex hat im zweiten Quartal 2026 deutlich zugelegt und zum Quartalsende den bisherigen Jahreshöchststand erreicht. Über die 91 Tage des Quartals stieg der Index von rund 364 Punkten am 1. April auf rund 473 Punkte am 30. Juni. Das entspricht einem Zuwachs von rund 108 Punkten beziehungsweise knapp 30 Prozent. Der Quartalsdurchschnitt lag bei 413 Punkten.
Die Entwicklung verlief jedoch nicht gleichmäßig, sondern war vielmehr von außergewöhnlichen Preissituationen an den Kurzfristmärkten geprägt, die den Index immer wieder sprunghaft nach oben trieben. Stark negative Preise und hohe Preisspitzen vergrößerten die Spreads und erhöhten damit die im FlexIndex abgebildete Wertigkeit von Flexibilität.
Negativpreise prägen April und Anfang Mai
Die erste deutliche Aufwärtsbewegung zeigte sich rund um die Osterfeiertage. Am Ostermontag, dem 6. April, traf eine niedrige Feiertagslast auf ein hohes Windaufkommen und eine hohe Photovoltaikeinspeisung. In der Folge kam es im Intraday-Handel zu einem starken Preisverfall. Der Trianel FlexIndex legte an diesem Tag um rund 4,8 Punkte zu.
Noch stärker wirkte sich das letzte Aprilwochenende aus. Am 25. und 26. April sorgten eine stabile Hochdruckwetterlage mit hoher Sonneneinstrahlung und eine gedämpfte Wochenendnachfrage für erheblichen Druck auf die Day-Ahead-Preise. Am 26. April näherte sich der Preis für einzelne Viertelstundenprodukte der damaligen technischen Preisuntergrenze von -500 Euro/MWh an. Im FlexIndex zeigte sich dies in einem Tagesanstieg von rund 7,5 Punkten. Ein weiterer markanter Sprung folgte am 1. Mai. Auch hier traf eine hohe erneuerbare Einspeisung auf eine vergleichsweise niedrige Feiertagslast. Die Day-Ahead-Preise bewegten sich zeitweise erneut nahe der damaligen Preisuntergrenze. Der FlexIndex stieg an diesem Tag um rund 7,6 Punkte.
Dr. Christian Schmitz, Abteilungsleiter 24/7 Desk bei Trianel, ordnet ein: „Das zweite Quartal zeigt sehr deutlich, dass die Wertigkeit von Flexibilität nicht nur in Hochpreisphasen steigt. Auch stark negative Preise erhöhen die Anforderungen an kurzfristige Handelsoptimierung und steuerbare Anlagen. Wenn hohe erneuerbare Einspeisung auf niedrige Last trifft, entstehen Preisrisiken, aber auch Chancen für flexible Verbraucher, Speicher und aktiv bewirtschaftete Portfolios.“
Die Häufung stark negativer Preise hatte auch Folgen für den europäischen Day-Ahead-Markt: Ende Mai wurde die harmonisierte Preisuntergrenze im Single Day-Ahead Coupling von -500 auf -600 Euro/MWh abgesenkt. Auslöser waren die Preisereignisse am 26. April und am 1. Mai. Damit wird deutlich, dass extreme Negativpreise zunehmend Teil des Marktgeschehens sind.
Hitzeflaute im Juni führt zu hohen Abendpreisen
Nach einer ruhigeren Phase Ende Mai und Anfang Juni setzte ab Mitte Juni die nächste starke Aufwärtsbewegung ein. Auslöser war eine ausgeprägte Hitzeflaute in Europa. Während Photovoltaikanlagen tagsüber viel Strom erzeugten, fehlte in den Abendstunden Solarstrom. Gleichzeitig blieb die Windeinspeisung niedrig und der Strombedarf in der Hitzephase hoch. Dadurch mussten in den Abendstunden teurere konventionelle Kraftwerke einspringen. Besonders deutlich zeigte sich diese Situation am 23. und 24. Juni. Am 23. Juni erreichten die Intraday-Preise in Deutschland in der Viertelstunde von 20:45 bis 21:00 Uhr einen Spitzenwert von 853,97 Euro/MWh. Die stärksten Preisspitzen traten damit genau in der Phase auf, in der die Solarstromerzeugung nach Sonnenuntergang wegbricht, die Temperaturen und der Kühlbedarf aber hoch bleiben.
Im FlexIndex verzeichneten der 23. und 24. Juni die größten Tagesanstiege des Quartals. Allein am 23. Juni stieg der Index um rund 8,3 Punkte, am 24. Juni um weitere 8,6 Punkte. Bis zum Quartalsende setzte sich der Aufwärtstrend fort und führte den FlexIndex am 30. Juni auf den bisherigen Jahreshöchstwert von rund 473 Punkten.
Bastian Wurm, Bereichsleiter Dezentrale Energiesysteme bei Trianel, analysiert: „Die Kombination aus negativen Preisen im Frühjahr und hohen Abendpreisen während der Hitzeflaute zeigt, wie breit das Einsatzspektrum von Flexibilität inzwischen geworden ist. Speicher, flexible Verbraucher und steuerbare Erzeugung können in Zeiten hoher erneuerbarer Einspeisung Strom aufnehmen und in Knappheitsphasen zur Entlastung beitragen.“
Preisvolatilität rückt in den Fokus des Marktes
Der Verlauf des zweiten Quartals macht deutlich, dass sich die Wertigkeit von Flexibilität zunehmend aus Preisunterschieden innerhalb eines Tages und zwischen einzelnen Marktphasen begründet. Stark negative Preise bei hoher erneuerbarer Einspeisung und hohe Preise in den Abendstunden erhöhen die ökonomische Bedeutung von Anlagen, die Strombezug, Einspeisung oder Verbrauch zeitlich verschieben können.
„Die Extrempreisszenarien im zweiten Quartal sind ein klares Signal für den weiteren Flexibilitätsbedarf im Energiesystem“, betont Schmitz. „Je stärker Wind und Solar das Preisniveau prägen, desto wichtiger werden kurzfristige Handelsprozesse, präzise Steuerung und flexibel einsetzbare Assets. Flexibilität wird damit zu einem zentralen Instrument, um Marktchancen zu nutzen und Preisrisiken zu begrenzen.“
Trianel VolumenIndex legt leicht zu
Auch der Trianel VolumenIndex entwickelte sich im zweiten Quartal leicht positiv. Er stieg von rund 210 Punkten zu Quartalsbeginn auf rund 214 Punkte zum 30. Juni. Der Quartalsdurchschnitt lag bei rund 210 Punkten. Insgesamt zeigt der VolumenIndex damit weiterhin ein stabiles Bild bei leicht zunehmender Marktaktivität.
Ihre Ansprechpartner

Simon Preißinger
Senior Referent Projektmanagement

Dr. Nadja Thomas
Nachhaltigkeitsmanagerin
Über den Trianel FlexIndex
Trianel hat den FlexIndex entwickelt, um die Marktentwicklung von Flexibilität kontinuierlich zu bewerten und Marktimpulse für die Entwicklung von neuen Flexibilitätsoptionen zu analysieren. Der Trianel FlexIndex wird quartalsweise erhoben und setzt sich aus insgesamt 6 Teil-Indikatoren zusammen. Die einzelnen Indikatoren bilden jeweils die Preisdifferenzen an den Spot- und Intraday-Märkten ab und werden im Trianel FlexIndex zusammengeführt. Als Datengrundlage dienen Daten der EPEX, Daten aus der Kurzfristvermarktung sowie hauseigene Daten. Darüber hinaus setzt Trianel eigene Algorithmen ein, um die täglichen Daten zusammenzuführen und zu analysieren. Ziel ist es, die zunehmende Wertigkeit von Flexibilität marktnah zu visualisieren und gleichzeitig die Notwendigkeit von Flexibilität über die aktuell gehandelten Volumina an den Märkten zu spiegeln. Der FlexIndex mittelt Spreads, um kurzfristige und saisonale Schwankungen auszugleichen und langfristige Trends erkennbar werden zu lassen.
Im Rahmen des Trianel Netzwerks FlexStore begleitet Trianel Energieversorger bei der Geschäftsfeldentwicklung Flexibilität, Wasserstoff, Batteriespeicher und Demand Side Management. Mit ihrem virtuellen Kraftwerk bietet Trianel auch Dienstleistungen zur Vermarktung von Flexibilität von Biogasanlagen, KWK-Anlagen und industrieller Flexibilität. Mit eigenen Prognosen und Marktmodellen bietet Trianel Handelsunterstützung, Marktzugang sowie die wirtschaftliche Bewertung von Batteriespeicher-Projekten und Demand Side Management an.
Der FlexIndex wird quartalsweise veröffentlicht.
