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Wie das digitale Unternehmen den Weg zum smarten Kunden findet
Digitalisierung 01.11.2018

Wie das digitale Unternehmen den Weg zum smarten Kunden findet

Dieser Artikel wurde ursprünglich im November 2017 veröffentlicht. Im November 2018 haben wir ihn für Sie mit neuen Inhalten aktualisiert.

3 Stunden und 16 Minuten am Tag – so viel Zeit verbringt jeder von uns durchschnittlich online, sei es auf WhatsApp (1 Stunde und 27 Minuten für Kommunikation) oder YouTube (1 Stunde und 22 Minuten für Medienkonsum). Und auch im Beruf gewinnt die Digitalisierung an Fahrt: Fast 6 von 10 Mitarbeitern deutscher Unternehmen geben an, dass technologischer Fortschritt ihren Büroalltag erheblich vereinfacht. Ein Indiz für die wirtschaftliche Bedeutung der Digitalisierung ist das Marktvolumen des E-Commerce: Für 2018 wird eine Steigerung von 10 % auf 54 Milliarden Euro erwartet. „Die Digitalisierung ist ein gesellschaftlicher Megatrend. Die Herausforderung liegt darin, ihn konkret für Stadtwerke nutzbar zu machen“, sagt Dr. Thorsten Seiferth, Leiter Unternehmensentwicklung bei Trianel.

Von dieser Herausforderung ist auch in dem Bericht der Bundesnetzagentur zur Bedeutung von Daten in den Netzsektoren die Rede, der im Oktober 2018 veröffentlicht wurde: Während die digitale Transformation den privaten Alltag bereits fast vollständig durchdrungen habe, mangele es in der Wirtschaft noch an neuen anwendbaren Lösungskonzepten. Dabei biete die Digitalisierung insbesondere in der Energiewirtschaft „entlang der gesamten Wertschöpfungskette vielfältige Möglichkeiten, um Umsätze zu steigern, Prozesse zu optimieren, Kosten zu senken und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, so Seiferth.

Die Digitalisierung macht vor keiner Wertschöpfungsstufe halt

Das Feld der Digitalisierung ist allerdings weit und groß: intelligente Zähler, dezentrale Erzeugung, präventive Wartung, Cloud-Computing, vorausschauende Kundenanalysen, Smart Grids, um nur einige Schlagwörter zu nennen. Die Digitalisierung macht dabei vor keiner Wertschöpfungsstufe Halt. Vom Einkauf über den Netzbetrieb bis hin zum Vertrieb sind alle Abteilungen davon betroffen. Wie sollen Energieversorger damit umgehen?

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat sich unter den Trianel Gesellschaftern umgehört, welches die größten Hindernisse bei der Digitalisierung der Stadtwerke-Welt sind. Die Unternehmen gaben zu einem großen Teil an, nicht genügend Kompetenz in Bezug auf das Thema zu besitzen (67 %), viele nannten aber auch die hohen Kosten (50 %) als Problem. Die Unternehmen fühlen sich alleingelassen. 

Das hat Trianel erkannt und 2017 das Projekt Trianel Digital Lab gestartet. „Ziel ist es, auf Grundlage einer digitalen Agenda Pilotprojekte zur digitalen Transformation von Stadtwerken umzusetzen“, sagt Seiferth. Auch regelmäßig stattfindende Labortage dienen dazu, Know-how aufzubauen und die kulturelle Transformation der Stadtwerke zu unterstützen. Gemeinsam mit den Stadtwerken will Trianel das Thema Digitalisierung besetzen.

Vom digitalen Unternehmen bis zum digitalen Kunden

Drei Anwendungsfelder sind bisher im Digital Lab betrachtet worden. Eines davon ist das Anwendungsfeld „Digitale Daten“. Hier wurde zunächst geprüft, wie elektronische Daten zur Kündigungsprävention eingesetzt werden können. Danach stand das Internet of Things (IoT) im Fokus der Arbeitsgruppe, d.h. die Messung von Zuständen dezentraler Anlagen per Sensoren und Mini-Computern (Raspberry Pi und Co.).  Ein weiteres Gebiet ist der „digitale Kunde“. Themen sind hier zum Beispiel virtuelle Assistenten, sogenannte Chatbots, aber auch die Nutzung des Wissens über das Kundenverhalten im Internet. Das dritte Anwendungsfeld beschäftigt sich mit dem „digitalen Unternehmen“.

Die Bandbreite des Engagements ist vielseitig. „Die Stadtwerke können selbst Schwerpunkte bei den einzelnen Projekten setzen. Wer will, kann als Pilotstadtwerk fungieren oder Mitarbeiter zur Bearbeitung der Projekte entsenden“, erläutert Seiferth den Ansatz des Trianel Digital Lab. Die Projekte dauern zunächst zwischen drei und vier Monaten, dann wird entschieden, wie es mit dem Projekt weitergehen soll. Das kann bis zur Marktreife neuer Produkte führen, inklusive einer Beteiligung der Stadtwerke an den innovativen Geschäftsmodellen.

Ihr Ansprechpartner

Dr. Philipp Stephan, Leiter Digital Lab, Trianel

Dr. Philipp Stephan

implementiert als Leiter des Digital Lab zusammen mit seinem Team digitale Pilotprojekte in Stadtwerken und fördert den Erfahrungsaustausch untereinander. Vor seiner Tätigkeit bei Trianel leitete der promovierte Diplom-Informatiker Digitalisierungs- und Reorganisationsprojekte für RWE und innogy Consulting.