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Beschaffungsmodell auf den Prüfstand stellen
Handel , Portfoliomanagement , Belieferung von Endkunden 21.06.2022

Beschaffungsmodell auf den Prüfstand stellen

Die Zeiten haben sich geändert. Über viele Jahre hinweg waren für kleine bis mittlere Stadtwerke bei der Wahl des Beschaffungsmodells flexible Vollversorgungsverträge aufgrund geringer Risikoaufschläge das Maß aller Dinge. Insbesondere kleinere Versorger, die nicht über die erforderlichen Möglichkeiten verfügen, die Energiemärkte fortlaufend und adäquat im Blick zu behalten oder gar selbst an den Marktplätzen zu handeln, konnten so einen Großteil des Beschaffungsrisikos an ihren Vorlieferanten auslagern.

Bei der klassischen Vollversorgung werden Kalenderjahresprodukte, die in Tranchen unterteilt werden, über einen festen Zeitraum vor Lieferbeginn fixiert. Das Strukturierungs-, Spot- und Ausgleichsenergiepreisrisiko übernimmt der Vorlieferant im Rahmen einer vereinbarten (Jahres-)Toleranzmenge, während er dem Stadtwerk einen festen Belieferungspreis für die Vollversorgung garantiert.

Gestiegene Risikoaufschläge in der Vollversorgung

In Zeiten niedriger Preise und geringer Preisvolatilitäten ist dieses Belieferungsmodell für kommunale Versorger sehr attraktiv. Doch diese Zeiten gehören seit einigen Monaten der Vergangenheit an. Die für die Vollversorgung zu zahlenden Risikoaufschläge haben sich in den letzten Wochen vervielfacht und drohen somit auch die Beschaffungskosten der Versorger immens zu erhöhen. Die klassischen Fix-Preismodelle werden zum Teil gar nicht mehr angeboten oder ein Großteil der Risiken wird auf die Stadtwerke verlagert. Denn für den Vorlieferanten ist durch die in den vergangenen Monaten an den Termin- und Spotmärkten gestiegenen und weiterhin steigenden Preise das Risiko in der Vollversorgung deutlich gewachsen. Hinzu kamen Mengenrisiken aufgrund der Corona-Pandemie. Mehr und mehr Stadtwerke beklagen derzeit die ihnen angebotenen Tranchen- und Vollversorgungsaufschläge, sofern ihnen diese überhaupt noch am Markt angeboten werden.

Angesichts der zunehmenden Unsicherheiten auf der Vertriebsseite, etwa durch insolvente Industriekunden, oder den Kundenzuwachs in der Grund- beziehungsweise Ersatzversorgung, geraten die Stadtwerke zusätzlich immer stärker in Bedrängnis. Sowohl die Unsicherheiten auf der Absatzseite als auch die extremen Vollversorgungsaufschläge lassen die Zweifel an der Vorteilhaftigkeit der Vollversorgung lauter werden.

Überprüfung des Beschaffungsmodells erforderlich

Für Stadtwerke kann dies nur bedeuten: Das aktuelle und zukünftige Beschaffungsmodell muss auf den Prüfstand gestellt und einer genauen Analyse unterzogen werden. Welches Beschaffungsmodell – strukturierte Beschaffung oder Vollversorgung – tatsächlich vorzuziehen ist, lässt sich nur durch eine genaue Analyse der spezifischen Versorgungssituation des Energieversorgers feststellen. Die Beschaffungsspezialisten von Trianel können mit jedem Stadtwerke-Partner individuell klären, welches Vorgehen für ihn auf Dauer wirtschaftlicher ist. Dazu werden die Kosten der Vollversorgung den Kosten der strukturierten Beschaffung unter Berücksichtigung der jeweiligen Abwicklungsaufwände gegenübergestellt und ausgewertet.

Möglichst genaue Nachbildung der Lastkurve mit Standardprodukten

Bei der strukturierten Beschaffung wird die Absatzerwartung des Stadtwerks für das jeweilige Beschaffungsjahr prognostiziert und in Standardhandelsprodukte zerlegt. Die Beschaffung der Standardhandelsprodukte erfolgt auf Basis einer zwischen dem Stadtwerk und dem Dienstleister abgestimmten Strategie mit dem Ziel, eine möglichst kostengünstige und risikoadjustierte Beschaffung durchzuführen.

Während das Strukturierungs-, Spot- und Ausgleichsenergiepreisrisiko bei der Vollversorgung vom Lieferanten getragen wird, wird es bei der strukturierten Beschaffung vom Stadtwerk übernommen. Gleichzeitig erhält das Stadtwerk bei der strukturierten Beschaffung aber die Möglichkeit, auf Absatzschwankungen flexibel reagieren zu können und marktgerechte Preise am Spotmarkt zu erzielen. Bei der Vollversorgung ist, je nach Vertragsmodell, hingegen nur ein eingeschränktes Eingreifen möglich.

Ihr Ansprechpartner

Stefan Günther, Abteilungsleiter Beschaffungs-Portfoliomanagement Trianel GmbH

Stefan Günther

Abteilungsleiter Beschaffungs-Portfoliomanagement

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