Schachbrett mit silbernen und goldenen Spielfiguren, die auf Münzen stehen

Energiebeschaffung: Wer gut einkauft, kann auch gut verkaufen

Nov 2018

Dieser Artikel wurde ursprünglich im September 2017 veröffentlicht. Im November 2018 haben wir ihn für Sie mit neuen Inhalten aktualisiert.

„Beschaffung? Ist zurzeit sehr spannend – der Markt hat sich ziemlich gedreht“, hört man seit einigen Monaten in den Beschaffungsabteilungen der Energieversorger. Die Preise für Strom, Gas, CO2, aber auch Kohle und Öl sind in den vergangenen Monaten zum Teil rasant noch oben gegangen. Beispiel Strom: Der Grundlast-Kontrakt Strom für das Frontjahr wurde im August 2018 an der Terminmarktbörse EEX wieder für mehr als 50 Euro/MWh gehandelt. Zum letzten Mal geschah dies im Jahr 2012. Seit dem historischen Tief im Frühjahr 2016 mit rund 20 Euro/MWh für das Frontjahr hat sich der Preis mehr als verdoppelt.

Gleiches gilt für den CO2-Preis, der als ein Auslöser für die Hausse am Strommarkt gilt. Er hat sich innerhalb eines Jahres annähernd verdreifacht. 2017 legte die Europäische Union neue Rahmenbedingungen für den europäischen Emissionshandel fest, die im kommenden Jahr und 2021 in Kraft treten. Angesichts der verschärften Handelsregeln haben sich viele Kraftwerksbetreiber nun mit Zertifikaten eingedeckt. Das hat die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten erheblich angefacht. Spekulanten heizten die Preis-Rallye weiter an.

Stadtwerke können sich gegen eine Preis-Rallye schützen

Doch die Versorger wie auch die Industriebetriebe können dagegen steuern: Eine strukturierte Beschaffung ist dabei die wichtigste Voraussetzung, um die Preisrisiken nach oben wie auch nach unten abzusichern. Das größte Risiko für ein Unternehmen ist es, den Strom- oder Gasbedarf einmal im Jahr auf einen Schlag zu besorgen bzw. einen seit 2006 anhaltenden Aufwärtstrend zu spät zu erkennen. Beschaffungsexperten raten hingegen, das Portfolio aktiv zu bewirtschaften und mehrere Einkaufszeitpunkte zu wählen. Unter dem Strich erhält man so einen Wert, der den Markt viel besser abbildet als nur ein Einkaufszeitpunkt.

Die Auswirkungen der gestiegenen Großhandelspreise können Stadtwerke mit einer strukturierten Beschaffung und einer intelligenten Bewirtschaftung ihrer Portfolios deutlich abmildern, so Frank Neubauer, Bereichsleiter Vertrieb & Marketing bei Trianel. „Unsere Kunden im Portfoliomanagement kaufen im Durchschnitt um zwei Prozent günstiger ein als der Markt.“

Auch den kurzfristigen Markt im Blick

Doch sollten die Unternehmen nicht nur allein auf die langfristige Entwicklung blicken. Der Kurzfristhandel bleibt ebenfalls wichtig. Denn durch den weiteren Anlagenzubau und die Einspeisung erneuerbarer Energien bleiben die Strompreise am Großhandelsmarkt volatil. Sie gehen stark in die Höhe, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. An lastschwachen aber sonnigen und stürmischen Tagen schwenken die Preise immer öfters in den negativen Preisbereich. Das heißt, der Verkäufer bezahlt den Käufer für die Abnahme des Stroms. Die schwankende Einspeisung von erneuerbaren Energien sorgt für Preisvolatilität an den kurzfristigen Strommärkten.

Neben der Preisentwicklung sollten auch neue Trends im Auge behalten werden. Die Digitalisierung kann durch die Berücksichtigung von Wetterdaten, dezentraler Erzeugung und dezentralem Verbrauch zu einer neuen Dimension in der Beschaffung führen. Und auch wenn das Thema sich noch in der Prototypen-Phase befindet, die Blockchain-Technologie könnte das Thema Beschaffung nach Expertenmeinung gar revolutionieren.

 „Die regelmäßige Überprüfung und marktkonforme Anpassung der Beschaffungsstrategie abgestimmt auf die Marktentwicklungen führen zu optimierten Portfoliokosten“, sagt Stefan Günther, Leiter Beschaffungs-Portfoliomanagement bei Trianel. Er weiß aus eigener Erfahrung als Händler, dass sich die Beschaffungsansätze ständig verändern. Ein Check der Beschaffungsstrategie sollte daher regelmäßig angegangen werden. Denn nur wer die Chancen am Beschaffungsmarkt ausnutzt, kann seinen Kunden attraktive Preise bieten.

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