Zwei Hände in Boxerpose mit roten Boxbandagen

Wechsel-Services – eine ernstzunehmende Konkurrenz?

Mai 2017

Auf dem Markt der Vergleichsportale hat sich ein neuer Service entwickelt: Tarifkunden werden jährlich an auslaufende Strom- und Gaslieferverträge erinnert und sollen so stets das günstigste Angebot automatisiert abschließen können. Was bislang von kleineren Start-ups angeboten wird, erhöht seit dem „Prime“-Angebot des Vergleichsportals Verivox den Druck auf Stadtwerke erheblich.  

Das Geschäftsmodell 

Die Dienstleister bieten den Tarifkunden an, automatisiert an anstehende Kündigungsfristen zu erinnern, neue Vergleichsangebote zu unterbreiten und den gesamten organisatorischen Aufwand beim Anbieterwechsel zu übernehmen. So spart der Kunde Geld und Zeit und erhält maximalen Wechsel-Komfort. Im Markt fallen vor allem die Angebote von Verivox und SwitchUp.de auf. Bei Verivox kostet der Service knapp 30 Euro jährlich, SwitchUp bietet diesen sogar komplett kostenfrei an. Zusätzlich erhält der Kunde von Verivox Wechselberatung für Kfz-Versicherung und DSL-Vertrag, den Vertrag abschließen muss der Kunde jedoch selbst. SwitchUp profiliert sich dagegen mit einem All-inclusive-Angebot: Widerspricht der Kunde nicht ausdrücklich dem Wechselvorschlag, wird dieser automatisch vollzogen.  

Für den Kunden völlig intransparent ist, nach welchen Kriterien der neue Tarif ausgewählt wird und ob es sich wirklich um den Anbieter mit dem bestmöglichen Preis handelt. Die Geschäftsbeziehung basiert damit zumindest auf Kundenseite auf Vertrauensbasis. 

Wie reagieren Endkunden? 

Ein solcher Service richtet sich im Wesentlichen an zwei Kundengruppen: die „Bequemen“, die den Aufwand scheuen, und die „Vergesslichen“. Laut einer Umfrage von YouGov Deutschland GmbH und Trianel unter 2.037 Kunden trifft der Wechsel-Service allerdings den Nerv der Zeit. Rund die Hälfte der Befragten kann sich definitiv bzw. eventuell vorstellen, einen derartigen Service zu nutzen. Zugleich äußerten sich aber auch in etwa ein Drittel der Befragten dahingehend, nicht jährlich oder gar nicht wechseln zu wollen.

 

Weiterhin zeigt sich ein klarer Wunsch nach Mitsprache: 88 Prozent derjenigen, die den Wechsel-Service definitiv oder eventuell nutzen würden, wollen erst nach Erhalt des Angebots dieses autorisieren. Lediglich 9 Prozent präferieren einen vollautomatischen Wechsel-Service.  

 

Bezüglich der Zahlungsbereitschaft wären knapp 49 Prozent bereit, einmalig bis zu 10 Euro zu bezahlen, wenn sie durch den Wechsel 100 Euro einsparen würden. Dienstleister werden demzufolge zukünftig ihre Prozesskosten erheblich verringern müssen. Über einen generellen Nachteil müssen sich Endkunden selbst im Klaren sein: Umfassende Daten über ihr Verbrauchsverhalten werden von einem weiteren Anbieter (z. B. Verivox) gespeichert und vermindern damit die von vielen geschätzte Privatsphäre. 

Bestandskundengeschäft gefährdet?  

Von Wechsel-Services kann eine Belebung des Marktes ausgehen und die Preiskonkurrenz unter den Dienstleistern weiter verschärfen. Je bekannter die Angebote, desto wahrscheinlicher die mögliche Nutzung – ein Problem für alle Geschäftsmodelle, die auf eine persönliche Geschäftsbeziehung setzen.

Positiv wirken sich Wechsel-Services hingegen durch eine Preisstabilisierung aus, da bei jährlich wechselnden Kunden hohe Neukunden- und Wechsel-Boni gerade von Discountanbietern nicht mehr wirtschaftlich darstellbar sind. Das führt letztendlich auch zu geringeren Preisunterschieden der Angebote und begrenzt damit die Attraktivität des Wechsel-Service-Angebots.   

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